Jan
30
2011

Die kleine Heckflosse

Zuletzt aktualisiert am 05.12.2013
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MB HF K√ľhler

 

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Mercedes-Benz Youngtimer, vielleicht ein /8 oder eine Generation j√ľnger. Also durchforstete ich das Internet auf der Suche zu meinem neuen Auto.

Doch dann kam die Heckflosse. Ihr Design-Stiel der 50/60er Jahre gefiel mir so gut, dass ich gezielt weiter zu suchen begann. Gleich in der N√§he von Stuttgart gab es ein Inserat, allerdings ein Diesel. Anfangs wollte ich eher einen gr√∂√üeren Benzinmotor, aber nach ein paar Tagen √úberlegung entschied ich mich doch f√ľr den Diesel. Die Benziner "schlucken" einfach zu viel, da schmerzt der Geldbeutel bei jedem Tnkstellenbesuch. Der Diesel hingegen ist zwar ziemlich untermotorisiert, aber darauf kommt es beim Oldtimer Fahren nicht an.

Der Spritverbrauch hingegen bleibt bei ca. 8 ltr/100km im vertretbaren Bereich, auch wenn dass Diesel nicht in Leistung sondern in "Briketts" umgesetzt wird.

 

Ich besuchte also den Verkäufer und war zunächst sehr skeptisch. Die Flosse stand in einer alten dunklen Scheune und war auf dem ersten Blick auch ganz in Ordnung. In Foren hatte ich gelesen, auf was man so achtgeben sollte. Der Rost hielt sich in Grenzen und die Probefahrt war verlief gut.

Die Lackfarbe traf nicht ganz mein Geschmack, war aber noch gr√∂√ütenteils der Originallack und das grau fuhr man halt in den 60ern. Das Fahrzeug war vor der Modellpflege aufgebaut worden, was man am offensichtlichsten an den auf den Kotfl√ľgeln befindlichen Blinkern erkennen kann.

Immerhin war das Fahrzeug nicht verbastelt oder schlecht instand gesetzt worden, was sehr wichtig ist. F√ľr den Rest wird es schon eine L√∂sung geben.

 

Kurzentschlossen kaufte ich das Fahrzeug.

 

 

Die ersten Fahrten zeigten dann aber schnell, dass der Motor seine besten Tage hinter sich hatte und keine beschriebenen 120000km (die km-Anzeige ist nur 5-stellig), sondern das doppelte oder noch mehr ertragen musste. Er trank f√∂rmlich das √Ėl, bis zu 4-5 ltr/1000km. Die sehr aufwendige Erneuerung der Ventilschaftdichtungen mit der Hilfe eines Kollegen brachte auch nicht die erhoffte Verbesserung. Gl√ľcklicherweise verkaufte ein weiterer Kollege einen alten Ersatzmotor, den ich dann erwarb.

Nur alleine einen kompletten Motor umbauen (denn der Ersatzmotor war zwar prinzipiell baugleich, aber f√ľr einen MB Transporter O/LM319) und in die Flosse einbauen, das traute ich mich nicht ganz. Vor allem nicht ohne weiteres Werkzeug und Hebeb√ľhne. Die L√∂sung fand sich in einem KFZ-Meister, der nicht hauptberuflich sondern abends und/oder am WE arbeitet und bei dem ich komplett mitarbeiten konnte. Er hat schon so manchem Oldtimer auf die Beine geholfen. Drei lange Abende sp√§ter war es vollbracht und es blieb im bezahlbarem Ma√üe.

Ich war erleichtert.

 

MB HF Seitenansicht

MG HF R√ľckansicht

 

Zwei Wochen sp√§ter wollte ich mit meiner Freundin nach Frankreich in den Sommerurlaub fahren. An die 1100km standen an. Ich wollte nat√ľrlich gleich den Motor einfahren, sie war begeistert! Letztlich konnte ich sie √ľberzeugen, dass der neue Motor die Strecke ohne weitere Probleme durchstehen werde, er sei ja nahezu komplett neu. Aber sie wusste auch, wer ihn mit eingebaut hatte :-).

Wir fuhren also gut gelaunt los...; 200km nach der franz√∂sischen Grenze fing er das Mucken an. Leistungsverlust und etwas blau/wei√üer Rauch waren die Anzeichen. Nach einem Halt und dem Versuch mittels Abschrauben des Nockenwellendeckels den Grund zu finden, scheiterten. Also qu√§lten wir uns weiter. Es wurde sp√§ter und sp√§ter und es kamen Gebirge mit sehr steilen Anstiegen. Bei einem Anstieg, ich glaube es ist das Gebirge aus dem "Volvic" entspringt, sang die Geschwindigkeit kurzfristig auf 40km. Es war fast kein Auto auf der Autobahn, ansonsten h√§tten wir die Fahrt unterbrechen m√ľssen. Schlie√ülich erreichten wir nach Mitternacht unser Ziel, geplant war so gegen 19:00 Uhr anzukommen. So stellten wir uns nicht den Beginn des Urlaubs vor.

 

Gl√ľcklicherweise hatte ich Werkzeug mitgenommen und fand auch nach ein paar Tagen den Grund. Die Hutmutter des Einlassventiles des ersten Zylinders, auf die der Umlenkhebel der Nockenwelle dr√ľckt, hatte keinen "Hut" mehr. Wie kann das passieren? Materialerm√ľdung der Hutmutter bzw. wahrscheinlich Lunker im Material. Wer rechnet denn mit so was? Die arme Flosse musste also auf 3 T√∂pfen fahren, der 4te hatte keine Selbstz√ľndung mehr und das Diesel verqualmte im hei√üen Abgas. Eine neue Hutmutter wurde (mit H√§nden und F√ľ√üen, da die Franzosen sich weigern einen englischen Satz zu formulieren) bei einem Mercedes-Benz H√§ndler geordert und 3 Tage sp√§ter eingebaut und er lief wieder. Eine F√ľhlerlehre konnte bei einem Rasenm√§herh√§ndler gekauft werden.

 

So wurde der Urlaub fortgesetzt werden und es konnte sogar noch ein Ausflug an den Atlantik zum Cap Ferret erfolgen (weitere 250km). Mit funktionierendem Motor machte dann das Oldtimer cruisen dann auch wieder Spaß, auch wenn es ohne Klimaanlage im Hochsommer sehr heiß werden kann.

Der R√ľckweg verlief ohne gr√∂√üere Probleme, bis auf die Lichtmaschine, die kurz vor dem Zuhause meinte, sie m√ľsse nicht mehr laden. Leider habe ich das immer noch nicht abschlie√üend reparieren k√∂nnen. So bleibt halt immer was zu tun, aber das Motto muss sein "Der Weg ist das Ziel" und das "Schrauben" geh√∂rt zu einem Oldtimer dazu.

 

Technische Daten:

Daimler-Benz AG

Modell: Mercedes-Benz 190DC Baureihe W110 (genannt kleine Heckflosse)

Hubraum 1974cm³, Leistung 40kW (54PS) bei 4200Umdrehungen

Höchstgeschwindigkeit 125km/h (fährt bis zu 140km/h)

Länge 4730mm, Breite 1795mm, Höhe 1495mm

Leergewicht 1300kg, zulässiges Gesamtgewicht: 1800kg

Standgeräusch 79dBA, Fahrgeräusch 80 dBA

 

Restaurationstipps:

Reifen:

So ein Oldtimer braucht Wei√üwandreifen. Die sind in der Regel sehr teuer. Bisher war ein Diagonalreifen der Gr√∂√üe 7.00-13 (auch zugelassen sind: 6.40-SR13 sowie 175R13 84S) aufgezogen. Diese Reifen lassen sich nur recht schwer beziehen und haben teilweise noch einen Schlauch. Die Originalfelgen haben die Bezeichnung 5JKx13B und sind auch f√ľr schlauchlosen Betrieb geeignet.

Ich hab mir nun folgende bezahlbare Reifen aufziehen lassen und bin mit diesen zufrieden. Es sind Ganzjahres- Radialreifen der Fa. Maxxis MA1 mit der Gr√∂√üe 185 80 R13 90S 17mm von Reifen B√ľrkle in Gammertingen (Schw√§bische Alb). Der T√úV hat sie abgenommen und eingetragen.

Einziger Nachteil: Die Weißwand verschmutzt sehr leicht. Als Reiniger empfahl man mir auf einer Messe den Sonax Feck- und Klebstoffentferner. Damit geht der Dreck wunderbar ab; ich bin mal gespannt, ob es die Reifen angreifen wird.

 

Ersatzteile:

Mercedes-Benz Originalteile

Niemöller

DB-Depot

 

Anbei noch ein paar Bilder von meiner Heckflosse. Drauf klicken und Durchblättern.